Samstag, 18. November 2017

Komische Nächte

Konstantin verlässt die Wohnung. Im Flur flüstert niemand mehr, nur vereinzelt fällt Licht durch ein Fenster. Jeder seiner Schritte sticht ins wundgereizte Hirn. Beim hinaus auf die Straße Gehen fühlt er sich wie als Kind, beim Ankommen am Strand, wenn der Anblick vom Meer plötzlich von ganz hinten nach ganz vorne schnalzt.
  Auf der Straße stehen Menschen und starren in den Himmel. Gänzlich wolkenlos, fast wie ein zweites Meer, liegt dieser einfach da. Konstantin setzt Fuß vor Fuß – bleibt trotzdem auf der Stelle stehen, versinkt im grauen Boden. Alles wirkt unerträglich hell, die ganze Welt beginnt zu Glühen. Er versucht sich festzuhalten, indem er hilflos in Gesichter blickt. Doch was er sieht, das hilft ihm nicht: Bloß ein grelles fieses Leuchten – alle Menschen werden Licht.
  Irgendwann dann lösen sich die Füße, und er stolpert schwankend vorwärts. Kriecht auf allen Vieren zu einer Bushaltestelle. Auf der orangefarbenen Anzeige steht: Nur noch fünf Minuten, dann geht's weiter. Er liegt für unbestimmte Zeit neben einer Frau mit Kinderwagen, vergisst beinah' zu atmen. Zieht sich dann unbeholfen an dem Wagen hoch und klettert umständlich hinein. Die Frau schaut ihn verwundert an, schüttelt langsam mit dem Kopf und sagt dann leise flüsternd: Bitte leg dich endlich schlafen, wir alle machen uns schon Sorgen.
  Die Sonne scheint und Vögel zwitschern. Konstantin ist recht zufrieden. Der Bus hat leicht Verspätung.

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