Montag, 18. November 2013

Neuronenrosen

Unkraut im Garten
das wuchert und wuchert
und jedes mal
wenn du versuchst
eine von den Pflanzen
auszureissen
graben sich ihre schwarzen Dornen
tief in dein Fleisch

Und selbst wenn du
eine von den bordeauxroten Blüten
vom  Stiel getrennt kriegst
sprießen direkt zehn neue nach

Man traut sich kaum noch aus dem Haus
so verwildert ist es vor der Tür
das dornige Dickicht versperrt den Weg
und hüllt alles
in grauen Schatten

Und wenn ich eine Zigarette rauchend
aus dem Küchenfenster schaue
dann ist immer Herbst

Sonntag, 17. November 2013

Langsam wird's wirklich kalt draußen

Der Große und der Gewinner
sitzen auf einer Steinmauer
und lassen die Beine baumeln
während sie
schweigend
in den wolkenlosen Himmel schauen.
Beide wissen
dass sie gleichermaßen
hoffnungslos sind
und dass sie
viellleicht
zum letzten mal
beisammen sitzen.
Die letzte Nacht
verblasst
mit leisem Zischen
und der kommende Tag
rollt rauschend
am grauen Horizont entlang.

Wie lange ist es her?
Wir sind doch
überhaupt nicht älter geworden
und kürzlich noch
waren wir friedliche Schöngeister
die gedankenlos
um die Häuser streiften.

Heute
geht jeder für sich
seinen eigenen wirren Weg
obwohl wir
im Herzen
doch noch immer
dieselben Kinder sind
die wir damals waren

Donnerstag, 14. November 2013

Regenschauer

Säure läuft langsam meine trockene Kehle hinunter, während die Erschöpfung meine Knie zittern lässt.
Gestern noch platzte die letzte bunte Hoffnung mit lautem Knall dem Herbst entgegen und heute schon ist der Himmel grau, meine Seele leer.

Es ist kalt geworden.
Meine eingefallenen Wangen beben durch das mechanische Malmen, den wirren Tanz, den Ober- und Unterkiefer gemeinsam vollführen.
Müdigkeit legt sich wie ein schützendes Tuch über mich, verdeckt mir die Augen.

Wohltuender Schleier aus Desinteresse.
Zu müde, um mich vor den tausend Augen zu fürchten, die mich anstarren.
Sie sind mir einfach egal.

Regen prasselt gegen die Fensterscheibe der überfüllten Straßenbahn und dunkelgraue Wolken verdrängen den Himmel.
Ich falle kurz in nervösen, traumlosen Schlaf.
Das Buch, an dessen letzten zehn Seiten ich mich schon nicht mehr erinnern kann, gleitet mir aus den Händen und rutscht geräuschlos auf den von dreckigen Schuhen bedeckten Boden.
Neben mir schreit ein Kind.
Ich zucke kurz, stoße mir den Kopf an einer kalten Eisenstange, hebe wort- und emotionslos das Buch wieder auf und starre mit leerem Blick auf die beiden willkürlich aufgeschlagenen Seiten.
Als ich das wieder Buch senke, sehe ich, dass der Bus, in dem ich sitze, leer ist.

Die Sonne geht auf.