Atlas Stigma brennt ihm in den Händen,
ist mit der Zeit zu seinem Fleisch und
Blut geworden. –
Der von Anfang an Verstoßene.
Die Straßenbahn kriecht durch die Stadt,
in der der Frühling hektisch tobt,
Sonnenstrahlen fallen durch die Fenster,
bedecken Wachsmaskengesichter:
Alles flackert rot und weiß und schwarz und schmiert,
bunt blinkend, blitzend, im Augenblick
verschwindend, allzu fieberhaft verträumte Bilder
auf die Leinwand dieses Nachmittags.
Und plötzlich platzt sein Wolkenschloss,
sodass er – aus wirren Phantasien fallend –
ungefragt und unbeholfen
Bestandteil dieser Szene wird,
nackt, gerupft und glitschig auf den
dreckverschmierten Boden schmilzt.
Der Rest der Welt indes läuft ungerührt
in Richtung immergleichem Nichts,
alles äußere vernichtend,
als die Maschine, die er ist.
Und so zeigen sich die Blicke –
wie auf Webteppichen fließend –
tiefe Furchen in die Welt reinschneiden:
Das unverwandte Starren, mit dem sie ihn betrachten,
seitdem sein kranker Geist sich dreht.
Und Atlas badet in dem Augenmeer,
lässt sich kraftlos treiben,
von dem Rattern und Flackern und Zucken
und findet sein Zuhause
für einen Atemzug
im Bewusstsein der Wahrheit,
dem Schicksal des Fremden,
im wohlig warmen Einsamsein.
Dienstag, 10. April 2018
Mittwoch, 7. März 2018
Ich möchte ein Eisbär sein
Alles fühlt sich an wie Weihnachten:
Die Industrieschornsteine Wesselings zieh'n rot blinkend am Zugfenster vorbei
und die Welt ist golden, gut und schön.
Der Żubrówka wärmt von innen und meine
heißgeliebte Wassernymphe lächelt mich verstohlen an.
Ich selbst hätte dagegen gewettet:
Eine Person zu werden,
ein Leben zu leben.
Ein Gutes.
Die Industrieschornsteine Wesselings zieh'n rot blinkend am Zugfenster vorbei
und die Welt ist golden, gut und schön.
Der Żubrówka wärmt von innen und meine
heißgeliebte Wassernymphe lächelt mich verstohlen an.
Ich selbst hätte dagegen gewettet:
Eine Person zu werden,
ein Leben zu leben.
Ein Gutes.
Text mit dem Titel »Münsterplatz«
Atlas schlendert durch das nächtliche Bonn. Die Laternen leuchten golden, der Wind zieht scharf an den abstehenden Ohren entlang. Ein Pärchen kommt um die Ecke gestolpert, eng umschlungen: Er mit zurückgegeltem schwarzen Haar, sie blondiert, in beigefarbenem Mantel. Beide volltrunken, die Gesichter rot verfärbt, bleiben vor dem Starbucks stehen, kichern sich zu überzogen, als dass es ehrlich wirkte, verliebt an, verschmelzen widerwärtig mit der Mittelmäßigkeit, die sie umgibt.
Atlas sieht seine Chance gekommen, ext den letzten Schluck vom schalen Bier und tut einen beherzten Schritt auf beide zu. Er holt tief Luft, setzt hilflos stotternd an: ,,Vvvverzeeihung...?''
Die Frau schaut verwirrt, enttäuscht, entsetzt. Der Mann erbost, stumpf. Irgendwo wird ein Fenster geschlossen, in der Ferne beginnt eine Pkw-Alarmanlage zu lärmen. Atlas kniet sich langsam auf den Boden und beginnt hemmungslos zu schluchzen. Tränen tropfen alles voll. Der Mann wendet sich angewidert ab, die Frau versteckt verschreckt ihr überschminktes Gesicht in Schal und Mantelkragen. Plötzlich beginnt Atlas wie besessen, käferhaft nach vorn zu kriechen, gibt dabei wütend gurgelnde Stöhnlaute von sich, deren Lautstärke sich, von Altbaufassaden abprallend, sinnlos potenziert. Er versucht mit irrem Blick das Hosenbein des Mannes zu erhaschen. Der tritt ihm unbeholfen auf den Kopf, wimmert dabei wie ein kleines Kind, zerrt seine Begleiterin mit strengem Griff zu sich heran und schubst sie hektisch vor sich her, bis beide in der dunklen Nacht verschwunden sind, stößt noch wütend eine leere Drohung aus.
Atlas sieht seine Chance gekommen, ext den letzten Schluck vom schalen Bier und tut einen beherzten Schritt auf beide zu. Er holt tief Luft, setzt hilflos stotternd an: ,,Vvvverzeeihung...?''
Die Frau schaut verwirrt, enttäuscht, entsetzt. Der Mann erbost, stumpf. Irgendwo wird ein Fenster geschlossen, in der Ferne beginnt eine Pkw-Alarmanlage zu lärmen. Atlas kniet sich langsam auf den Boden und beginnt hemmungslos zu schluchzen. Tränen tropfen alles voll. Der Mann wendet sich angewidert ab, die Frau versteckt verschreckt ihr überschminktes Gesicht in Schal und Mantelkragen. Plötzlich beginnt Atlas wie besessen, käferhaft nach vorn zu kriechen, gibt dabei wütend gurgelnde Stöhnlaute von sich, deren Lautstärke sich, von Altbaufassaden abprallend, sinnlos potenziert. Er versucht mit irrem Blick das Hosenbein des Mannes zu erhaschen. Der tritt ihm unbeholfen auf den Kopf, wimmert dabei wie ein kleines Kind, zerrt seine Begleiterin mit strengem Griff zu sich heran und schubst sie hektisch vor sich her, bis beide in der dunklen Nacht verschwunden sind, stößt noch wütend eine leere Drohung aus.
Atlas dreht sich auf den Rücken, spuckt Blut und Speichel auf das Kopfsteinpflaster und starrt lächelnd alle Sterne an.
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