Mittwoch, 16. März 2016

Back to Drama

Jede einzelne Empfindung
ironisch überzeichnet,
jeder Eindruck der fünf Sinne
wirkt zwanzig Stunden nach;
die letzten Jahre
irgendwie zu krass,
um weiter eingepackt in Watte -
lauwarm süßer Blindheit -
einfach so nur vor sich hinzuleben:
der dünne Filter zwischen Welt und mir,
langsam splitternd weggebrochen;
alles um mich rum,
stets ungewollt in mich hinein am Kriechen.

Meilenweit entfernt,
von Fuß auf festem Grund;
irgendwo zwischen strahlend reinem Geist
und dem Elend Mensch zu sein,
ans uralt-morsche Kreuz genagelt,
am selbstgestrickten Galgen baumelnd;
eingeklemmt im Zwischenspalt,
diesem stets sich selbst,
beim hasserfüllt sich selbst Zerfleischen,
im Spiegelglas der Wand,
des selbstgebauten Käfigs,
zwischen sich und Rest der Welt,
beobachtenden Paradoxon,
das denkt, dabei doch niemals wirklich weiß,
atmet, obwohl denkend,
dass sicher wissend, dass vergänglich,
und traurig lächelt, trotz dem Schlechten -
als dichte, feste Fäden,
teerschwarz das Innerste der Welt
durchziehend.

Isoliert durch Raum und Zeit am Treiben,
niemals wahrer Teil vom Sein;
entweder letzter echter Mensch
oder doch bloße dummer Narr:
zu egozentrisch, stur, narzisstisch,
von einem Selbstbild abzurücken,
beliebig schwankend zwischen
tragisch scheiterndem Märchenheld
und unbeschränktem Herrschergott,
der eigenen Gedankenwelt;
der falsche Glaube an die Kraft,
zumindest theoretisch,
das Ruder doch noch rumzureißen -
im Überraschungseffekt aufgehend
aus dem Nebel
phönixgleich in Richtung Licht zu steigen,
die lange Nacht beendend,
die Scherben dieses Lebens
wieder glücklich,
wieder heil zu machen.

Was du sagst, bringt mich zum Lachen;
schenk dir dein jovial dahingehauchtes:
,,lass doch einfach ein Mal Gutes gut sein'' -
und dein selbstgerechtes Ratgeschlage,
dies respektlose mich Zuzutexten,
es sei in Wahrheit alles halb so wild:
jenseits meines Denkens,
blühten alle Blumen bunt
und Menschen tollten fröhlich,
kindergleich auf grünen Wiesen,
im warmen Licht der Sommersonne.

Wie soll ich bitte gerade gehen;
auch nur annähernd vernunftgeleitet
auf meinem viel zu steilen Pfad
durch dieses unerfüllte Leben schreiten,
wenn doch jeder fremde Blick
in Bus und Bahn,
Supermarkt und Treppenhaus,
der aus Versehen
oder Absicht
für mehr als zwei Sekunden
an meinem Körper kleben bleibt,
sich tief ins weiße Fleisch
reinbohrt;
rücksichtslos zerstört,
was doch zerbrechlich
dort versucht,
sich halbwegs zu behaupten,
gegen Stress und Panik,
im Nicht-Ich nichts als Hass zu sehen;
und nicht zu wissen,
wie man aufhört,
Ablehnung, von irgendwo weit unten -
tief aus dem Innersten des Inneren -
nach außen hin zu projizieren -
in jedem Augenpaar zu sehen,
das feindselig um sich starrend,
durch die Straßen vor der Tür
und die Flure aller Häuser
streift.

Diese verfluchte,
verzweiflungeborene Konstruktion;
festgefahren im Gehirn;
der fette Dämon Ekel,
genüsslich meinen Geist zersetzend;
die Unfähigkeit,
der Erniedrigung,
nicht mehr als Teil vom grauen Rest -
gesicht- sowie talentloser
Hanswurst zu sein -
unbeschadet zu entgehen;
in diesem Leben nichts zu reißen,
am Ende ungehört zu sterben;
als sei es metaphysische Notwendigkeit,
dass Tag auf Tag bedeutungslos verschwindet;
einfach langsam oxidiert;
und egal wie sehr ich kämpfe,
tobend, schreiend um mich schlage,
das Netz, in dem ich sitze -
Hälfte Spinne - Hälfte Fliege -
hält mich fest in seinen Armen,
schützt vor dem Gedanken,
eines Tages zu versuchen,
sich selbst zu überwinden,
nur um dann doch daran zu scheitern.

Irgendwie fast schön hier unten,
kenn' mich langsam ganz gut aus -
nur der Weg nach draußen,
scheint im Gewühl der langen Gänge
verschollen, unerreichbar;
jetzt sitz' ich hier und warte,
weiß nicht mehr Recht worauf,
die müden Augen halb geschlossen,
das Blau schon seltsam ausgebleicht;
den Lauf der Dinge fließen lassend,
verharre schweigend in mir selbst;
träume manchmal heimlich davon,
dass mich eines Tages jemand rettet,
den ich dann dafür nicht verachte -
bin bloß ein dummes krankes Kind.

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