Samstag, 14. Mai 2016

Die Stadt liegt da, wie abgebrannt

Das Pärchen in der Wohnung über mir fickt, wenn überhaupt, dann nachts um drei. Auf der Straße steht ein schwarzer Wagen, seit gefühlten tausend Jahren, mit ausgeschaltetem Motor, links blinkend, vor einer roten Ampel. Warme, ereignislose Nächte, alleine in der Wohnung: irgendwie ästhetisch, weil eben einfach zeitlos. 
Die kürzlich vergangene Winterkälte löst unweigerlich Fluchtreflexe aus - immer zwängt man sich in dicke Jacken, hastet schnell zurück ins Warme. Der Hitze hingegen kann man ohnehin nirgends hin entfliehen, kriecht diese doch in jeden Winkel, zersetzt allen Handlungswillen. 
Ich liege völlig regungslos im dunklen Zimmer, betrachte durch die halb zugezogenen Vorhänge hindurch das goldverschwomm'ne Flimmern der Straßenlaternen; bin sogar zu faul zum Masturbieren, liege einfach schweigend da - treibe für einen Augenblick dahin, im Eindruck, den die Vorsommerwärme den Tag über auf meiner mittlerweile nicht mehr ganz so bleichen Haut zurückgelassen hat.

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