Sonntag, 24. Juni 2018

Der längste Tag des Jahres schaut zum Fenster rein

Von Hölzchen auf Stöckchen,
immer tiefer in die Nacht hinein,
bis morgens früh die Vögel singen:
Nur noch eine Zigarette,
nur noch dieses eine Bier –
dann kriech ich meinetwegen blutbefleckt
in Richtung Bett
und hör mir selbst beim Denken zu.

Der Versuch diese Momentaufnahme
so gut es geht in Text zu pressen –
ein alter, lauer Witz.
Und alles, was ich weiß, ist,
dass die Worte – wie von selbst –
aus meinem wundgereizten Hirn und
auf die schrecklich leeren Seiten schwappen.

Dienstag, 12. Juni 2018

Wetterleuchten und Einsamkeit

Die ehemalige Hauptstadt hält, eingehüllt in dichte Schwüle, alle Menschen wie im Fiebertraum gefangen. Derweil die Hitze alles Denken lähmt und schwer auf jeder Regung liegt. Sodass die Leute sich verdächtig freundlich geben, dabei in Wahrheit ungemein dünnhäutig und gereizt ihr Dasein fristen.
Und da ist dieses Mädchen, das ich immer sehe, mit dem ich irgendwann was hatte. Das ich versehentlich verlernt zu grüßen habe, und das mich seitdem anklagend ansieht, wenn wir – uns auf Grund einer unangenehmen Verkettung absurder Ereignisse ignorierend – aneinander vorbeigehen. In dieser furchtbar stickigen Stadt, deren weltumspann'des Grau orgiastisch pulsiert, sich trostlos in sich selbst verliert.

Einstweilen scheint es, als senkte sich eine milchglasfarbene Kuppel über die Stadt, und all die unbescholt'nen Bürger erstickten nach und nach – während sukzessive das Bewusstsein dieses Umstands steigt: Manch einer hatte es sofort durchschaut, ein anderer es gar ersehnt und ein dritter wird es wohl, bis zu seinem allerletzten Atemzug, in Gänze von sich weisen wollen.
Die Stadt wird zunehmend Meer: Schweiß sondert sich vom Körper ab, vermischt sich mit Luftfeuchtigkeit und kummervollen Tränen. Und eben erst, so sagt man sich, rutschte ein Mann mit Hut unbeholfen aus, in einer der nach und nach entstehenden Pfützen, Bäche, Seen, gefüllt mit Kondensat und Körperflüssigkeit, und brach sich leise fluchend beide Beine.

Man kann die ganze Welt am Körper spüren: Enger und enger, mit jedem Tag, wie in einer kleinen Fabel, an deren Ende jemand stirbt.
Indes hat Atlas keine andern Sorgen, als sich Nacht für Nacht halb tot zu trinken und in goldenes Laternenlicht zu starr'n. 

Ein Gedicht, das einer schrieb, als er in eine Laterne starrte

So entfremdet von der Welt, so entfremdet von mir selbst,
selbst meine eine große Liebe –
der künstlich aufgebauschte Rausch der Nacht –
spuckt mich angewidert wieder aus.

Durch das unbarmherzig andauernde Unwetter
mit anderen Verwirrten in irgendeinen Hauseingang gepfercht,
während der Regen den Dreck aus meiner Seele,
den Dreck aus allen Straßen spült.
Am Himmel Wetterleuchten – im Hirn die Einsamkeit.