Donnerstag, 8. September 2016

Wrocław

An meinem vorletzten Abend in Breslau habe ich eine Gruppe von 19-33 betrunkenen,
blonden, deutsch-deutschen Münchner Abiturienten auf ihrer Abschlussfahrt kennengelernt,
die alle Max, Marie, Julia, Hermann oder Friedrich hießen
und den Tag über in einem KZ verbracht hatten,
was sie aber, wie sie – neben einigen geschmacklosen Witzen über Farbige –
erzählten, weniger schockierte,
als der Unfall, dem sie wenige Stunden zuvor beigewohnt hatten:
Ein ein braunes Hemd tragender
und anscheinend unter Amphetamineinfluss stehender Fahrer,
war aus Richtung Westen kommend,
mit seinem Mercedes und geschätzten 88 km/h gegen einen
Laternenmast gefahren, woraufhin dieser –
also der Laternenmast, nicht der Mercedes –
nach rechts hin, einem ahnungslosen Passanten auf den Kopf fiel, woraufhin dieser –
also der Kopf, nicht der Passant –
laut knackend, Blut verspritzend, aufsprang;
auf Gerüsten stehende Bauarbeiter applaudierten amüsiert,
zwei Streifenwagen fuhren ungerührt vorbei;
der Fahrer verließ verwirrt den Wagen –
kam dann wenig später wieder –
wollte noch sein Handy aus den Trümmern bergen,
doch die mittlerweile eingetroffene Policija
winkte bloß müde lächelnd ab –
ansonsten passierte weiter nichts.

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